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Humusaufbau als schlüsselstrategie für resiliente ackerflächen

Humusaufbau als schlüsselstrategie für resiliente ackerflächen

Humusaufbau als schlüsselstrategie für resiliente ackerflächen

Warum Humusaufbau gerade jetzt in den Fokus rückt

Trockenjahre, Starkregen, steigende Betriebsmittelkosten: Auf vielen Höfen ist die Frage nicht mehr, ob sich etwas ändern muss, sondern wie schnell. In Beratungsgesprächen, auf Feldtagen und in Fachrunden taucht dabei ein Begriff immer häufiger auf: Humusaufbau.

Dass „mehr Humus“ gut sein soll, ist in den meisten Betrieben bekannt. Neu ist, dass Humus von der Randnotiz in Düngefragen zu einer zentralen Strategie für resiliente Ackerflächen geworden ist. Resilient heißt in diesem Zusammenhang: Flächen, die mit Wetterextremen, Marktschwankungen und strengeren Umweltauflagen besser umgehen können, ohne dass Ertrag und Bodenfruchtbarkeit dauerhaft leiden.

Mehrere Entwicklungen haben den Fokus verschärft:

Zwischen politischen Zielen, praktischen Zwängen und Wetterrisiken stellt sich die Frage: Wie lässt sich Humusaufbau so in den Betriebsablauf integrieren, dass er messbar etwas bringt – für den Boden und für die Betriebskasse?

Was Humus eigentlich ist – und was nicht

Im Alltag wird vieles als „Humus“ bezeichnet, was bodenkundlich nicht ganz korrekt ist. Für die Praxis reicht eine klare, einfache Unterscheidung:

Wenn in der Politik oder in Zertifizierungsprogrammen von „Humusaufbau“ gesprochen wird, ist meistens die Erhöhung des organischen Bodenkohlenstoffs (engl. soil organic carbon, SOC) gemeint. Dieser Kohlenstoff ist der entscheidende Parameter, weil er:

Wichtig ist: Humusaufbau ist ein langer Prozess. Ein Plus von 0,1–0,2 Prozentpunkten Humus in 10 Jahren gilt auf vielen Standorten bereits als Erfolg. Wer nach zwei Jahren Zwischenfrucht einen „Humussprung“ von 1 % erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht.

Resilienz im Ackerbau: Welche Effekte bringt mehr Humus?

Warum gilt Humusaufbau als Schlüsselstrategie für resiliente Ackerflächen? Mehr Humus bringt mehrere Effekte gleichzeitig – gerade in Jahren mit Wetterextremen machen sie den Unterschied.

Kurz gesagt: Humus ist kein „nice to have“ für Naturschützer, sondern eine Art Versicherung für betrieblichen Ertrag und Produktionssicherheit – bezahlt in Form von gezielten acker- und pflanzenbaulichen Maßnahmen.

Praxisbeispiele aus Betrieben

Wie sieht Humusaufbau konkret auf dem Acker aus? Drei Beispiele aus der Praxis zeigen unterschiedliche Wege – je nach Standort und Betriebsform.

1. Lössstandort in Sachsen-Anhalt – Winterweizen im Fokus
Ein 450-ha-Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Winterweizen und Zuckerrüben stand nach den Trockenjahren 2018–2020 unter Druck: sinkende Weizenerträge, verkrustete Oberböden und zunehmende Erosionsschäden an Kuppen.

Der Betrieb hat in Abstimmung mit der Beratung folgende Maßnahmen umgesetzt:

Nach fünf Jahren zeigen die Bodenuntersuchungen auf den Schlägen mit durchgängiger Zwischenfrucht und reduzierter Bodenbearbeitung:

2. Sandiger Standort in Brandenburg – Kampf um jedes Millimeter Wasser
Auf einem 280-ha-Betrieb mit leichten Standorten (Bodenpunkte häufig unter 30) stand lange die Frage im Raum: Lohnt sich hier überhaupt eine Humusstrategie?

Die Antwort fällt heute differenzierter aus. Der Betrieb setzte auf:

Die absolute Ertragshöhe bleibt aufgrund der Standortgrenzen begrenzt. Dennoch berichten Betriebsleiter und Beratung:

3. Futterbaubetrieb im Allgäu – Humus über Dauergrünland und Kleegras
Ein ökologisch wirtschaftender Milchviehbetrieb (120 Kühe) setzt auf eine enge Verzahnung von Ackerbau und Futterbau. Humusaufbau passiert hier vor allem über:

Langjährige Vergleichsuntersuchungen der Landesanstalt zeigen auf den Kleegras-Schlägen:

Die Beispiele machen deutlich: Es gibt nicht die eine Humusstrategie, sondern verschiedene Wege – abhängig von Standort, Fruchtfolge und Tierhaltung.

Bausteine einer betrieblichen Humusstrategie

Humusaufbau gelingt selten mit einer Einzelmaßnahme. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Bausteine – abgestimmt auf die betrieblichen Ziele und Rahmenbedingungen.

Wirtschaftlichkeit: Rechnet sich Humusaufbau?

Die zentrale Frage auf jedem Betrieb lautet: Trägt der Humusaufbau zur Wirtschaftlichkeit bei – oder ist er vor allem ein Umweltprojekt?

Direkte, kurzfristige Zusatzerlöse sind selten. Humusaufbau wirkt eher wie eine Versicherung:

Schätzungen aus Beratungsprojekten zeigen: Ein stabiler Erhalt oder leichter Aufbau des Humusniveaus kann in Trockenjahren Einbußen von 5–10 dt/ha Winterweizen abfedern. Bei aktuellen Preisniveaus entspricht das schnell 80–150 €/ha. Demgegenüber stehen Kosten für:

Hinzu kommen neue Instrumente wie Kohlenstoff-Zertifikate. Einige Programme bezahlen Betriebe für nachweislich erhöhten Bodenkohlenstoff. Allerdings:

Für viele Betriebe bleibt daher der wichtigste wirtschaftliche Anreiz: Risikoabsicherung gegen Ertragsausfälle und langfristige Erhaltung der Produktionsgrundlage „Boden“.

Politischer Rahmen und Fördermöglichkeiten

Humusaufbau ist längst kein rein betriebliches Thema mehr. In der Agrarpolitik taucht es an mehreren Stellen auf – mit Folgen für Förderung, Auflagen und Kontrollen.

Wichtige Instrumente sind:

Für Betriebe bedeutet das: Humusaufbau wird nicht nur freiwillige „gute fachliche Praxis“ bleiben, sondern sich auch in Auflagen und Kontrollkriterien niederschlagen – mit der Chance, über Förderinstrumente einen Teil der Mehrkosten zu kompensieren.

Praktische Empfehlungen für den Einstieg

Humusaufbau ist ein Langstreckenlauf, kein Sprint. Gleichzeitig muss jede Strategie in den Betriebsalltag passen. Einige pragmatische Ansatzpunkte:

Am Ende geht es beim Humusaufbau nicht um eine „Mode im Ackerbau“, sondern um die Fähigkeit der Flächen, unter veränderten Rahmenbedingungen zuverlässig zu produzieren. Wer schrittweise beginnt, Maßnahmen konsequent ausprobiert und die Ergebnisse nüchtern auswertet, verschafft seinem Betrieb einen handfesten Vorsprung – im Bodenprofil und in der betrieblichen Stabilität.

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