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Roboter im gemüsebau: arbeitsentlastung durch automatisierte unkrautbekämpfung

Roboter im gemüsebau: arbeitsentlastung durch automatisierte unkrautbekämpfung

Roboter im gemüsebau: arbeitsentlastung durch automatisierte unkrautbekämpfung

Die Gemüseregale im Supermarkt sind voll – aber auf vielen Gemüsebaubetrieben wird das Personal knapp. Vor allem die Unkrautbekämpfung zwischen und in der Reihe frisst Zeit, Nerven und Lohnkosten. Parallel wächst der Druck, den Herbizideinsatz weiter zu reduzieren. In diese Lücke stoßen seit einigen Jahren Feldroboter vor, die Unkraut im Gemüsebau automatisch erkennen und mechanisch beseitigen.

Was leisten diese Systeme heute schon? Für welche Kulturen eignen sie sich? Und rechnet sich das für kleinere und mittlere Betriebe überhaupt – oder bleibt die Technik ein Spielzeug für große Gemüseerzeuger?

Warum der Gemüsebau beim Thema Roboter vorne liegt

Im Vergleich zum Ackerbau ist die Robotik im Gemüsebau weiter entwickelt. Das hat mehrere Gründe:

Entsprechend viel passiert in Forschung und Praxis: Laut einer Übersicht der Universität Wageningen aus dem Jahr 2023 waren in Europa bereits über 30 verschiedene Feldroboter-Modelle im Gemüsebau im kommerziellen oder erweiterten Praxiseinsatz, vom kleinen Leichtgewicht bis zur autonomen Plattform mit mehreren Tonnen Einsatzgewicht.

Technische Ansätze: Vom Hackroboter bis zum Saatroboter

Die aktuellen Systeme zur automatisierten Unkrautbekämpfung im Gemüsebau lassen sich grob in drei Gruppen einteilen.

1. Autonome Hackroboter auf dem Feld

Bekannte Beispiele sind der „Dino“ und „Orio“ von Naïo Technologies, der „Robotti“ (AgroIntelli) oder der „Steketee IC-Weeder“ in autonomer Variante. Diese Geräte fahren selbstständig durch die Reihen, erkennen die Spur per GPS, Kamera oder Leitdrähten und hacken zwischen den Reihen und zum Teil auch in der Reihe.

2. Saat- und Hackroboter mit festem Raster

Systeme wie der FarmDroid FD20 säen die Kultur im GPS-Raster hochpräzise aus und nutzen anschließend dieselben Koordinaten zur Unkrautbekämpfung. Der Roboter weiß also jederzeit, wo „gewollte“ Pflanzen stehen und kann alles dazwischen als Unkraut behandeln – ganz ohne komplexe Pflanzenerkennung.

3. Kameragestützte Jäteroboter im Feingemüse

Hier setzen Hersteller wie Ecorobotix oder FarmWise (USA) auf KI-gestützte Bildverarbeitung. Die Kamera erkennt jede einzelne Kulturpflanze und unterscheidet sie vom Unkraut. Greifer, Messer oder rotierende Werkzeuge arbeiten zentimetergenau um die Pflanze herum.

Viele Hersteller kombinieren mechanische Werkzeuge (Scharre, Sternhacken, Fingerhacken) mit optischer Steuerung. Die reine physische Arbeit eines klassischen Hackgeräts bleibt, aber die Steuerung wird automatisiert – und damit genauer als mit dem menschlichen Auge bei 8 Stunden Einsatzzeit.

Praxisbeispiele aus dem Gemüsebau

Wie sieht das auf dem Acker konkret aus? Ein Blick in die Praxis zeigt, wo die Technik heute steht.

Beispiel 1: Karottenbetrieb in Niedersachsen mit autonomem Hackroboter

Ein ökologisch wirtschaftender Betrieb mit rund 40 ha Möhren setzt seit 2022 einen autonomen Hackroboter (Arbeitsbreite 2,0 m) ein. Die Maschine übernimmt vor allem die frühe Unkrautbekämpfung zwischen den Reihen.

Laut Betriebsleiter konnte die Anzahl der Saisonarbeitskräfte in diesem Bereich von fünf auf drei reduziert werden, bei gleichzeitig stabilen Erträgen. Entscheidender Punkt: Der Roboter fährt auch nachts, wenn das Wetter stabil ist. Das entzerrt Arbeits- und Maschineneinsatz erheblich.

Beispiel 2: Bio-Zwiebeln in Rheinland-Pfalz mit GPS-Saatroboter

Ein Gemüsebetrieb mit 25 ha Zwiebeln nutzt seit 2021 den FarmDroid FD20. Zuerst erfolgt die präzise Aussaat, später dann die GPS-gesteuerte Unkrautbekämpfung.

Spannend ist hier auch der Energieaspekt: Der FarmDroid arbeitet rein elektrisch und wird über Solarmodule geladen. Für Betriebe mit hohen Dieselpreisen und eigenen PV-Anlagen kann das ein zusätzliches Argument sein.

Beispiel 3: Gemischter Feingemüsebetrieb mit Lohnrobotik

Nicht jeder Betrieb kauft einen eigenen Roboter. In Nordrhein-Westfalen bietet ein Lohnunternehmer seit 2023 hack- und jätenroboter-basierte Dienstleistungen für Bio-Gemüsebauern an. Er setzt zwei unterschiedliche Systeme ein: einen kleineren Jäteroboter für Feingemüse und eine autonome Hackplattform für Möhren, Pastinaken und Rote Bete.

Solche Modelle könnten für viele Gemüseerzeuger in Deutschland der praktische Einstieg in die Robotik sein – ähnlich wie es im Ackerbau beim Thema Drohnen oder Strip-Till-Geräte bereits zu beobachten ist.

Kosten, Arbeitszeit und Rentabilität

Die zentrale Frage lautet: Rechnet sich das für den Betrieb? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab.

Anschaffungskosten

Hinzu kommen jährliche Wartungs-, Service- und Softwarekosten. Viele Hersteller arbeiten mit Serviceverträgen von 3–5 % des Kaufpreises pro Jahr.

Einsparpotenziale

Eine Studie der ETH Zürich und der Forschungsanstalt Agroscope (2022) zur Robotik im Bio-Gemüsebau nennt folgende Größenordnungen:

Wesentliche Voraussetzung ist eine hohe Flächenauslastung. Wer einen Roboter für nur 100 Betriebsstunden pro Jahr einsetzt, wird ihn kaum wirtschaftlich betreiben können. Viele Hersteller kalkulieren mit 500–800 Betriebsstunden pro Saison, teils mehr.

Risiken und versteckte Kosten

Für kleinere Betriebe kann daher das Modell „Lohnroboter“ oder eine Maschinengemeinschaft interessant sein. Hier verteilen sich die Fixkosten auf mehrere Nutzer, und die Auslastung steigt.

Arbeitsentlastung in der Praxis: Was ändert sich auf dem Hof?

Roboter ersetzen nicht alle Arbeiten – sie verschieben jedoch den Schwerpunkt. Typische Veränderungen, die Betriebe in Interviews mit Beratungsstellen und Forschungseinrichtungen (z.B. Thünen-Institut, FiBL Deutschland) nennen:

Gleichzeitig bleibt eine wichtige Erkenntnis: Ganz ohne Menschen geht es nicht. Kontrollgänge, Feinregulierung in kritischen Kulturen und das Management von Problemunkräutern (z.B. Disteln, Ampfer) erfordern weiterhin Handarbeit oder andere Verfahren.

Technische Grenzen und praktische Stolpersteine

So vielversprechend die Technik ist: In der Praxis stoßen Roboter im Gemüsebau derzeit noch an Grenzen.

Für Betriebe bedeutet das: Vor einer Investition sind Testeinsätze unter eigenen Bedingungen sinnvoll – idealerweise über eine ganze Saison. Feldtage, Demonstrationen und Praxisnetzwerke (z.B. „Digitalisierung im Ökolandbau“ oder EIP-Agri-Projekte in mehreren Bundesländern) bieten hier wertvolle Erfahrungsberichte.

Regulatorischer Rahmen und Fördermöglichkeiten

Auch die Politik setzt zunehmend auf Automatisierung als Baustein für ressourcenschonende Landwirtschaft. In mehreren Bundesländern wurden in den letzten Jahren Investitionsförderprogramme für „digitalisierte und ressourceneffiziente Technik“ aufgelegt, in denen Feldroboter förderfähig sind.

Wichtig: Förderprogramme ändern sich regelmäßig. Betriebe sollten aktuelle Informationen bei Landwirtschaftskammern, Maschinenringen oder Beratungsorganisationen einholen, bevor sie einen Kaufvertrag unterschreiben.

Für welche Betriebe sind Roboter besonders interessant?

Nicht jede Gemüsegärtnerei braucht sofort einen eigenen Roboter. Einige Betriebstypen profitieren laut bisherigen Studien und Praxisberichten besonders stark:

Für kleine, stark diversifizierte Gemüsebaubetriebe mit vielen Kulturen auf kleinsten Parzellen wird sich die Eigenanschaffung in vielen Fällen kaum rechnen. Hier können kooperative Modelle, Maschinenringe oder spezialisierte Lohnunternehmer eine Alternative sein.

Ausblick: Was kommt als Nächstes?

Die Entwicklung schreitet schnell voran. Forschende und Hersteller arbeiten an mehreren Fronten:

Ob Roboter im Gemüsebau in zehn Jahren so selbstverständlich sein werden wie heute die GPS-Lenkung im Ackerbau, ist offen. Klar ist aber: Die Richtung ist vorgegeben – getrieben von Arbeitskräftemangel, gesellschaftlichem Druck und technischem Fortschritt.

Worauf Gemüsebaubetriebe jetzt achten sollten

Für Praxisbetriebe stellt sich weniger die Frage „Roboter: ja oder nein?“, sondern eher „Wann, wie und in welcher Form?“. Aus Gesprächen mit Beratern, Versuchsstationen und Betrieben lassen sich einige pragmatische Punkte ableiten:

Automatisierte Unkrautbekämpfung mit Robotern ist kein Allheilmittel, aber ein zunehmend wichtiges Werkzeug im Gemüsebau. Betriebe, die sich frühzeitig und realistisch mit den Möglichkeiten und Grenzen beschäftigen, können die Technik so einsetzen, dass sie wirklich zur Entlastung beiträgt – im Arbeitsalltag, in der Kostenstruktur und im Umgang mit gesellschaftlichen Anforderungen an den Pflanzenschutz.

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